GRUNDLAGEN
Was ein Prediction-Market ist und warum der Kurs eigentlich eine Wahrscheinlichkeit ist
Auf Polymarket handelst du keine Aktien oder Kryptowährungen — du handelst Fragen. Wir zeigen dir, wie sich ein Kurs von 64 Cent als 64-%-Wahrscheinlichkeit liest, und was passiert, sobald großes Geld in den Markt einsteigt.
An der Börse kaufst du ein Stück einer Firma. An einer Krypto-Börse kaufst du eine Münze. Auf einem Prediction-Market kaufst du eine Antwort auf eine Frage — und wenn du richtig liegst, zahlt sie genau einen Dollar aus. Ganz Polymarket beruht auf diesem einen Satz. Der Rest sind Details, und die gehen wir jetzt durch.
Eine Frage muss so formuliert sein, dass nach Ablauf der Frist kein Raum bleibt, um über den Ausgang zu streiten. „Gewinnt Partei X die Wahl?" — ja. „Wird das Jahr X ein gutes Jahr?" — nein, das ist keine Frage, das ist eine Stimmung. Jede Frage hat zwei Seiten der Wette: YES und NO. Eine davon zahlt am Ende einen Dollar pro Anteil aus, die andere zahlt nichts.
Der Kurs ist eine Wahrscheinlichkeit — nur in einem anderen Kleid
Der YES-Anteil wird irgendwo zwischen 1 und 99 Cent gehandelt. Und weil er genau einen Dollar auszahlt, kannst du den Kurs direkt als die Wahrscheinlichkeit lesen, die alle Trader zusammen dieser Frage geben. Ein Anteil zu 64 Cent bedeutet eine Wahrscheinlichkeit von 64 %. Komplizierter ist das nicht — man glaubt es nur schwer, bevor man selbst damit gespielt hat.
Mit 100 $ kaufst du 156,3 YES-Anteile. Der Markt sagt, die Quote liegt bei 64 % — auf NO zu wetten ist billiger, zahlt aber nur in den restlichen 36 % der Fälle aus.
Achte auf die Symmetrie: Je sicherer der Markt eine Antwort einschätzt, desto weniger gibt es dabei zu gewinnen. Ein Anteil zu 95 Cent bringt dir fünf Cent Gewinn — und wenn es nicht eintrifft, verlierst du die vollen 95. Billige Anteile wirken genau aus dem Grund verlockend, aus dem der Markt erwartet, dass sie scheitern. Ein niedriger Kurs ist kein Schnäppchen — er ist eine Warnung.
Wer legt den Kurs eigentlich fest?
Niemand. Oder genauer: alle gleichzeitig. Da sitzt kein Buchmacher im Büro und schreibt Quoten fest. Der Kurs ist einfach der jüngste AbschlussDer Kurs entsteht durch das Zusammenführen von Orders. Wenn jemand mehr bieten will, als das niedrigste Verkaufsangebot verlangt, kommt der Handel zustande — und dieser Kurs wird zum aktuellen. zwischen dem, was jemand zu zahlen bereit ist, und dem, wofür jemand anders verkaufen will. Wenn eine große Kauforder den Markt trifft, frisst sie sich durch die Angebote, beginnend beim billigsten, und der Kurs springt.
Probier's selbst aus. Kauf ein und schau, was das mit dem Kurs macht:
Der Markt startet bei fünfzig — perfekte Ungewissheit. Jeder Kauf frisst sich in das Angebot einer Seite, und der Kurs verschiebt sich.
Dieses Modell ist stark vereinfacht, aber das Prinzip stimmt: der Kurs bewegt sich danach, wie viel Geld auf welche Seite fließt. Und genau hier beginnt der Grund, warum es PolyTips gibt.
Warum wir die großen Wallets beobachten
Auf einem Markt, dessen Kurs aus Geld gemacht ist, kommt das stärkste Signal von dem, der am meisten davon einbringt. Wenn jemand hunderttausend Dollar in eine einzige Frage schickt, ist das kein Zufall und kein Bauchgefühl — jemand steht mit der eigenen Wallet hinter diesem Call. Solche Adressen nennen wir Sharks. Sie liegen nicht immer richtig, aber ihr Move ist sichtbar, bevor sich der Kurs überhaupt einpendeln kann.
Das Schöne daran: Auf der Blockchain ist dieser Move öffentlich. Niemand muss ihn kommentieren oder zugeben — die Transaktion ist sichtbar, sobald sie durchgeht. Der Unterschied zwischen „ich weiß es" und „ich weiß es nicht" hängt also nur davon ab, ob jemand hinschaut. Wir schauen rund um die Uhr hin.
Zwei Dinge, über die die meisten stolpern
Spread. Zwischen dem höchsten Kaufangebot und dem niedrigsten Verkaufsangebot liegt meistens eine Lücke. Bei stark gehandelten Fragen sind es ein, zwei Cent, bei obskuren locker zehn. Du kaufst immer am oberen Rand und verkaufst am unteren — auf einem dünnen Markt frisst dich diese Lücke auf, noch bevor du überhaupt die Chance hattest, mit deinem Call danebenzuliegen.
Liquidität. Damit du vor Ablauf der Frist aussteigen kannst, muss dir jemand deinen Anteil tatsächlich abkaufen. Auf einem seichten Markt zieht dein eigener Verkauf den Kurs nach unten — selbst wenn du richtig liegst. Deshalb schauen wir bei unseren Tips immer, wie viel Geld wirklich in einer Frage steckt, nicht nur, in welche Richtung sich der Kurs bewegt.
Was du mitnimmst
- Ein Anteil zahlt 1 $ aus, also ist sein Kurs in Cent direkt die Wahrscheinlichkeit in Prozent.
- Ein billiger Anteil ist kein Schnäppchen — er ist die Einschätzung des Marktes, dass es nicht eintrifft.
- Der Kurs wird nicht von einem Buchmacher festgelegt — sondern vom Geld, das in den Markt fließt.
- Große Wallets sind auf der Blockchain sichtbar. Ihr Move ist eine Information, die öffentlich ist, bevor sie überhaupt im Kurs auftaucht.
- Prüf Spread und Liquidität vor dem Kurs. Auf einem dünnen Markt kann selbst ein guter Call Geld verlieren.
Bevor es losgeht, brauchst du zwei Dinge: eine Wallet und ein Grundgefühl von Ruhe dafür, was unter der Haube passiert. Beides kommt als Nächstes.